Auswahlkriterien ETF

7 Auswahlkriterien damit du wirklich den für dich richtigen ETF findest

28/03/2021

Als Teil der privaten Altersvorsorge oder zum Vermögensaufbau nutzen viele Investorinnen ETFs (Exchange Traded Funds).

Das ist gut nachvollziehbar, denn ETFs eröffnen dir die Möglichkeit, breit diversifiziert Geld zu investieren und gleichzeitig das Risiko von Verlusten zu minimieren. ETFs sind eine leicht verständliche Anlageart und im Vergleich zu vielen anderen Investitionsmöglichkeiten relativ kostengünstig. Außerdem ist der Einstieg bereits mit kleinen Summen ab 25 Euro möglich, wobei auch viele ETFs sparplanfähig sind. 

So weit so gut. Damit du den oder die für dich passenden ETFs aussuchen kannst, brauchst du zuerst eine Investmentstrategie. Diese leitest du aus deinen persönlichen Zielen ab. Früher oder später geht es aber an die Auswahl der ETFs. Und da kann man sich schon einmal überfordert fühlen.

Es gibt weltweit über 7.600 ETFs! Und ETFs können große Unterschiede aufweisen. Hiermit sind nicht nur die eigentlichen Anlageklassen wie Aktien, Renten oder Rohstoffe gemeint, sondern ETFs weisen unterschiedlichen Ausprägungen auf, die für dich von Bedeutung sein können. Deshalb gilt es diese zu kennen und beurteilen zu können.

Damit der ETF zu deiner Anlagestrategie passt und du an diesem Punkt nicht den Kopf in den Sand steckst, habe ich dir hier die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl aufgeführt und etwas näher erklärt. So kannst du bei Portalen wie justETF oder extraETF viel zielgerichteter nach dem für dich passenden ETF suchen.

Sämtliche Daten zur Beurteilung findest du übrigens im Factsheet des ETFs bei deinem Online-Broker oder auf der Webseite des ETF-Anbieters.

1. Die Kosten des ETFs

Der wichtigste Punkt zuerst. Investieren ist immer mit Nebenkosten verbunden, die deine Rendite schmälern. Deshalb ist auf diesen Punkt ein besonderes Augenmerk zu legen. Hier eine kurze Übersicht für dich.

TER (Total Expense Ratio oder Gesamtkostenquote)

Die TER gibt die laufenden, jährlichen Kosten des ETFs an. Darin enthalten sind zum Beispiel die folgenden:

  • Verwaltungsgebühren des ETF-Anbieters (Portfolio-Management, Wirtschaftsprüfung, Revision und sonstige Betriebskosten)
  • Depotbankgebühren für das Sondervermögen, in dem die ETFs aufbewahrt werden
  • Lizenzgebühren für den nachgebildeten Index
  • Vertriebsgebühren für die Vermarktung und Vertrieb des ETFs und Kosten für die Erstellung von Fondsdokumenten und Broschüren 

Die TER liegen oft zwischen 0,1 und 0,5 % pro Jahr, sie können also durchaus einen großen Einfluss auf deine Rendite haben. 

Tracking-Differenz

Es gibt auch Kosten, die beim ETF anfallen und NICHT in der Gesamtkostenquote TER enthalten sind, auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt. Dazu gehören:

  • Transaktionskosten bei der Indexanpassung (Broker-Gebühren, Spreads)
  • Swapgebühren (bei synthetischen ETFs)
  • Wertpapierleihe-Erträge (Gewinne aus der Verleihung von Wertpapieren bei physisch replizierenden ETFs)

Leider  wird dieser Kostenteil nicht so transparent ausgewiesen wie die im TER zusammengefassten Kosten. Hier erfordert es etwas mehr Recherchearbeit von dir, um auch diese versteckten Kosten vergleichen zu können. Dafür schaust du dir die Tracking-Differenz des ETFs an. 

Die Tracking Differenz beschreibt den Performance-Unterschied zwischen dem Index und dem ETF innerhalb eines bestimmten Betrachtungszeitraums. Die Performance eines ETFs kann nämlich von der des Vergleichsindex abweichen und kommt deshalb bei der Kostenbetrachtung eine aussagefähigere Rolle zu.

Eine negative Abweichung bedeutet, dass die Wertentwicklung des ETFs höher war als die des Indexes.

Eine positive Abweichung bedeutet, dass die Wertentwicklung des ETFs geringer war als die des Indexes.

Merke dir: je niedriger die Tracking-Differenz ist, desto besser und kostengünstiger ist es dem ETF-Anbieter gelungen, den Index nachzubilden. Sollte die Tracking-Differenz sogar negativ sein, hat er den Index sogar geschlagen. Das kann durch Einnahmen aus Wertpapierleihe-Geschäften oder Quellensteueroptimierungen der Fall sein. 

Wichtig zu wissen ist: Als Auswahlkriterium ist die Tracking-Differenz aussagefähiger als die TER. Deshalb verwende diese bevorzugt zur TER.

Sonstige Kosten die beim Kauf/Verkauf und dem Halten von ETFs berücksichtigt werden sollten

Dazu zählen:

  • Depotgebühren
  • Ordergebühren
  • Handelsgebühren wie die Geld-Brief-Spanne
  • Börsengebühren (je nach Börsenplatz) beim Kauf oder Verkauf

Diese Kosten fallen nicht ausschließlich bei ETFs an, sondern bei allen Investments, die du über die Börse tätigst.

Mittlerweile sind die meisten Online-Depots kostenlos. Bei den Ordergebühren lohnt sich ein Vergleich über spezialisierte ETF-Webseiten wie z. B.  www.justetf.com oder de.extraetf.com

Handelsgebühren und Börsengebühren sind nur dann für dich wirklich interessant, wenn du eine größere Einzelinvestition tätigen möchtest. Bei einem Sparplan kann der Aspekt vernachlässigt werden.

Kosten sollten bei der Auswahl deines ETFs immer eine wichtige Rolle spielen. Du kannst sie mit etwas Fleißarbeit gut herausfiltern. Sie haben eine große Auswirkung auf deine Rendite, da die laufenden Kosten den positiven Effekt des Zinseszinses schmälern.

2. Ausschüttungsart

Die Ausschüttungsart eines ETFs gibt an, wie mit den Erträgen die innerhalb eines Jahres anfallen, umgegangen wird. Während Aktien-ETFs laufende  Dividendenerträge aufweisen, erwirtschaftet ein Anleihen-ETF Zinserträge. Erträge können grundsätzlich ausgeschüttet werden oder verbleiben im ETF und werden reinvestiert (thesaurierend).

Thesaurierender ETF

Thesaurierend bedeutet, dass die anfallenden Erträge nicht ausgeschüttet werden. Diese werden direkt wieder für dich reinvestiert. Dadurch erhöht sich die Anzahl deiner Anteile. 

Das hat den Vorteil, dass keine Transaktionskosten beim Broker für die eigene Reinvestition anfallen. Außerdem nutzt du so den Zinseszinseffekt und wirst nicht verführt, dass Geld auszugeben.

Ausschüttender ETF

Ausschüttende ETFs zahlen dir die Dividenden- oder Zinseinnahmen auf dein Verrechnungskonto des Depots. Du musst dich selber um die Wiederanlage kümmern, sofern das dein Ziel ist. Ansonsten profitierst du nicht vom Zinseszinseffekt. 

Welche Art der Ausschüttung für dich die richtige ist, hängt von deiner Investmentstrategie ab. Geht es bei dir um den langfristigen Vermögensaufbau, wird ein thesaurierender ETF besser zu dir passen. 

Hast du den Vermögensaufbau bereits abgeschlossen und du benötigst die laufenden Erträge aus dem ETF, um einen Teil deines Lebensunterhalts zu begleichen, ist ein ausschüttender ETF für dich die bessere Alternative.   

3. Replikationsmethode

ETFs verwenden verschiedene Methoden der Indexabbildung. Die beiden gängigsten Methoden sind die physische und synthetische Replikation.

Physische Replikation

Bei der physischen Replikation bildet der ETF den Index durch den direkten Kauf der im Index enthaltenen Wertpapiere nach. Ein S&P 500-ETF bspw. investiert in die 500 Unternehmen des S&P 500 und gewichtet diese entsprechend der Index-Gewichtung.

Synthetische Replikation durch Swaps

Ein synthetisch replizierender ETF investiert die Gelder der Anleger nicht direkt in die Titel, die im Index enthalten sind. Vielmehr wird der Index mit einem Swap (Tauschgeschäft) zwischen dem ETF und einem Swap-Kontrahenten nachgebildet. Der Kontrahent ist meist eine Bank. Das geschieht über einen sogenannten Total Return Swap, mit dessen Hilfe die Indexentwicklung synthetisch repliziert wird.

Als Nachteil von synthetischen ETFs gilt das Ausfallrisiko des Swappartners. Lehman Brothers ist ein bekanntes Beispiel für einen ausgefallenen Swappartner.

Synthetische ETFs haben durchaus ihre Berechtigung. Sie sind bei Rohstoff-ETFs nahezu unverzichtbar. Denn Öl, Eisen, Gold oder auch Weizen wird kein ETF-Anbieter physisch erwerben um sie dann zu hohen Kosten lagern zu müssen. Daher wird bei Rohstoff-ETFs die Wertentwicklung der dem Index zugrundeliegenden Rohstoffe über Swap-Geschäfte abgebildet.

In einem Interview der Zeitschrift „ETF Extra-Magazin“ 02/2021 vermutet Gerd Kommer, dass der weltweite Marktanteil synthetisch abgebildeter ETFs bei unter 2 % liegt.

4. Fondsvolumen und Alter

ETFs mit einem kleinen Fondsvolumen weisen in der Regel höhere Kosten auf als volumenstarke ETFs, da bestimmte fixe Kosten unabhängig von der Fondsgröße anfallen. Für Investoren besteht dann das Risiko, dass der Fonds aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen oder mit einem anderen ETF des Anbieters zusammengelegt wird. 

Das ist zwar grundsätzlich kein Problem, kann aber Kosten bei der Wiederanlage für dich als Investor verursachen. Zusätzlich bedeutet das für dich einen höheren Verwaltungsaufwand, denn du musst dich um die Wiederanlage kümmern.

Bein einem ansteigenden Fondsvolumen erhöhen sich die im Umlauf befindlichen Anteile eines ETFs. Das führt tendenziell zu einer höheren Liquidität und zu einer geringeren Handelsspanne (Spread) zwischen Kauf- und Verkaufskurs.

Damit verbunden kann man das Alter des Fonds auch als Kriterium sehen. Denn je älter ein Fonds ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Fonds wirtschaftlich erfolgreich ist und nicht vor der Schließung steht. 

Mit zunehmenden Alter des Fonds stehen darüber hinaus mehr Daten für einen Vergleich mit anderen ETFs  zur Verfügung. Lass dich aber nicht von historischer Performance (Wertentwicklung) eines ETFs blenden. Sie stellt keine Prognose  über die zukünftige Entwicklung des ETFs dar.

5. Fondswährung

Die Währung, in der das Fondsvermögen verwaltet und abgerechnet wird, nennt man Fondswährung. Sie erscheint im Namen eines ETFs, zum Beispiel EUR oder USD (iShares Core MSCI World UCITS ETF USD). 

Deine Depot-Bank rechnet sie (falls abweichend) in die Währung um, in der dein Depot geführt wird. 

Der Fonds lautet für gewöhnlich auf die Währung, in der der zugrundeliegende Index notiert wird. Die Indexwährung ist meistens identisch mit der Währung, in der die Mehrheit der im Index enthaltenen Wertpapiere gehandelt wird.

Ist die Fondswährung für dich nun ein wichtiges Auswahlkriterium? 

Jein! Denn willst du Währungsrisiken vermeiden, müsstest du ausschließlich in Aktien- und Anleihe ETFs der Eurozone investieren. Das widerspricht aber dem Grundsatz der globalen Diversifikation, die bestenfalls weltweite Wertpapiere umfasst.

In unterschiedliche Länder und Anlageklassen (LINK) zu investieren senkt bekanntlich das Risiko vor Verlusten. Das Gleiche gilt für Fremdwährungen. Schwankungen können sich gegenseitig ausgleichen und helfen dem Portfolio sich zu stabilisieren. Insbesondere bei langfristigen Investments.

Am Beispiel des MSCI-World hast du folgende Währungen im Fonds: US-Dollar, Euro, Japanischer Yen, Britischer Pfund, Kanadischer Dollar, Schweizer Franken, Australischer Dollar, Schwedische Krone, Hongkong Dollar, Dänische Krone, Singapur Dollar, Norwegische Krone, Neuer Israelischer Schekel und Neuseeländischer Dollar. Die größte Gewichtung mit über 50 % liegt beim US-Dollar, weshalb die meisten MSCI World ETFs in US-Dollar notiert sind.

Bei kurzfristigen Investitionen macht es sicherlich Sinn, Währungsrisiken zu vermeiden. Die Zeit könnte nicht ausreichen, um sich von einem eventuellen Währungsverlust zu erholen. Bei langfristigen Investitionen ist es wahrscheinlicher, dass sich Währungsschwankungen über die Zeit hinweg wieder ausgleichen.

6. Fondsdomizil

Das Fondsdomizil ist das Land, in dem der ETF ansässig ist. Das Land lässt sich an der ISIN (Internationale Wertpapierkennung) ablesen. Die ISIN setzt sich aus einer zwölfstelligen Buchstaben-Zahlen-Kombination zusammen und stellt die Identifikation für ein Wertpapier auf internationaler Ebene dar. 

Die beiden Buchstaben am Anfang stehen für das Land, aus dem das Wertpapier (oder ETF) stammt. DE steht für Deutschland, IE für Irland.

Sollte nun das Fondsdomizil ein Auswahlkriterium für dich als Anleger sein? 

Grundsätzlich gibt es keinen Vorteil eines bestimmten Fondsdomizils innerhalb von Europa. 

Nur auf eine kleine Besonderheit möchte ich aufmerksam machen. Solltest du einen physischen ETF kaufen wollen, der einen großen Teil in US-Aktien investiert, kann das Fondsland Irland einen kleinen Vorteil bieten.

Irland hat ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den Vereinigten Staaten, aufgrund dessen leichte steuerliche Vorteile für Fonds bestehen. Diese können an die Anleger weitergegeben werden und somit einen moderaten Vorteil gegenüber anderen Fondsdomizilen aufweisen.

7. Ist der ETF sparplanfähig?

Nicht alle ETFs sind sparplanfähig. Das entscheiden die Broker selbst. Welche das im Einzelfall sind, kannst du über die oben bereits angesprochenen ETF-Webseiten (siehe 1. – Externe Kosten des ETFs) herausfinden.

Natürlich ist die Sparplanfähigkeit für dich nur relevant, wenn du so langfristig Vermögen aufbauen möchtest. Für Einzelinvestitionen ist dieses Kriterium unbedeutend.

Zusammenfassung

Um die für sich passenden ETFs zu finden, musst du die unterschiedlichen Ausstattungskriterien kennen und beurteilen. Zusammenfassend kann gesagt werden: 

  • Je niedriger die Kosten eines ETFs, desto besser für deine Rendite. Die Tracking-Differenz ist dabei das bessere Messinstrument. Externe Kosten fallen bei allen Investitionen an der Börse an.
  • Für einen langfristigen Vermögensaufbau sind thesaurierende ETFs geeigneter.
  • Physische ETFs haben einen leichten Vorteil gegenüber synthetischen ETFs aufgrund des dort vorhandenen Kontrahentenausfallrisikos.
  • Ein größeres Fondsvolumen ist für dich vorteilhafter. Große Fonds sind kosteneffizienter und die Gefahr, dass sie wieder geschlossen werden, ist geringer.
  • Bei einem älteren ETF stehen zu Vergleichszwecken mehr Daten zur Verfügung.
  • Das Fondsdomizil spielt in Europa keine Rolle. Lediglich physische Aktien-ETFs mit einem großen Anteil in den USA weisen einen kleinen Quellensteuervorteil auf.
  • Über die Sparplanfähigkeit eines ETFs entscheidet der Broker.

Nutze die bereits erwähnten ETF-Webseiten für deine ETF-Suche. Um ganz sicher zu gehen, dass alle Angaben wirklich korrekt sind, schaue auch in den Fondsprospekt oder auf die Webseite des ETF-Anbieters.

Vielleicht klingt das alles etwas viel zu Anfang. Mit etwas Übung wirst du es aber schaffen, die für dich richtige Entscheidung für einen oder mehrere ETFs zu treffen. Bleibe auf jeden Fall dran. Und du weißt ja: Rom wurde auch nicht an einem Tag erschaffen!

Viel Erfolg beim Investieren!

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SMUF Stern

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